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Bunkermutter, Bunkerkind

Geburt bei Fliegerangriff. Von Heidrun Schaller

Aus der Enge der mütterlichen Geborgenheit ausgestoßen, ausgetrieben. Der Schrei, der erste Schrei, vermischt mit den Explosionen der detonierenden Bomben, hallt durch den feuchten, dunklen Bunker. Rings umher Menschen mit angstvollen Gesichtern, angespannten Körpern. Die Mutter allein gelassen ohne Hebamme und ärztliche Hilfe.

Dieser Bunker wird nun in den ersten zwei Jahren dieses kleinen Wesens immer wieder das schützende Zuhause, wenn die Sirenen den herannahenden Fliegerverband mit der tödlichen Last im Rumpf ankündigen.

Aus dem Bettchen herausgerissen, in die Arme der vor Angst bebenden Mutter, der ältere Bruder heulend festgeklammert an der Tasche, in der alles das ist, was der Mensch für Stunden zum Überleben braucht, aber auch das, was gerettet werden muss, wenn das Zuhause, das nun immer öfter kein Zuhause mehr ist, von einer Bombe getroffen wird und alles zerstört, nichts mehr zu retten ist.

In dieser angstvollen Zeit steht das Kinderzimmer fast leer, nur mit dem Nötigsten, mit einem Bett und einem Schrank ausgestattet und ist kein ruhiger, geschützter Ort für das Aufwachsen. Die glitschige Treppe in das Innere des hässlichen, feuchtkaltdunklen Bunkers wird zur schützenden Gebärmutter für dieses Kind.

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