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Das rote Fenster

Die Bombardierung Dresdens und die Flucht nach Westen.

Gemurmel im Hintergrund. Ihre Gäste reden von der Angst vor Kellergespenstern. Renates Gedanken driften in frühere Zeiten ab. Die Sirene heult ums Haus. Alte Bücher auf dem Speicher, ein Gesangbuch, »Bis hierher hat mich Gott gebracht…«. Tiefflieger, krachende Äste, heulender Sturm. Hinter einem kleinen Fenster, einem Ausschnitt im Dunkel, der tiefrote Himmel. Diese Erinnerungen plötzlich. Bilder, Rufen. »Mutter! Mutter!«, »Ruhe hier, was sollen denn die Kinder denken? Gehen Sie endlich wieder da hinten hin und bleiben Sie bei den anderen sitzen! Zivilisten! Es passiert Ihnen hier schon nichts!« Bilder, Lärm. Feuer vor dem Kellerfenster. »Dies Kind soll unverletzet sein.«

»Renate? Jetzt aber du! Erzählen! Du denkst an was, das merke ich schon die ganze Zeit.« »Ja, stimmt schon. Ist aber gar keine Gespenster-Geschichte und ist schon so lange her. Wisst ihr was, ich glaub’, ich weiß, warum ich keine Angst im Keller habe. Wir haben doch damals in Dresden überlebt.« »Dresden? Ach so, der Bombenangriff - da wart Ihr auch drin? Du glaubst nicht, wie oft ich schon Menschen getroffen habe, die damals dort gewesen sind. Aber viel erzählt haben die meist nicht.« »Wir auch nicht. Also, wenn wir damals nicht in dieser Kaserne gewesen wären - uns hat ein riesengroßer Keller in Dresden das Leben gerettet. Wahrscheinlich eiskalt - vergessen. Dunkel muss es wohl gewesen sein, es war ja Verdunklungszeit und Luftangriff.« »Aber da hättest du doch erst recht Angst kriegen müssen?«

Renates Erinnerungen kamen allmählich und in Bruchstücken heraus. Es war nicht ganz leicht, die Ereignisse richtig auf die Reihe zu bekommen.

Sie waren am Tag vor dem Angriff in Dresden angekommen und hatten draußen gespielt. Es war schönes Wetter am 13. Februar. Für die Dorfkinder aus Schlesien war die Reise ein Abenteuer. »Vor der Kaserne, bei dem großen Tor, stand eine Laterne, und steht sie noch davor.” Lili Marleen -, hier bekam das Lied der Soldaten auf einmal einen Ort.

Am 11. Februar frühmorgens waren sie, wie es später immer hieß, noch mit dem letzten Zug herausgekommen, der öfters lange stillstand, weil die Russen schon ganz nah waren. Die Flak hatte von der nahen Front her dumpf im Hintergrund gegrollt. Erst spät in der Nacht waren sie in der großen Stadt angekommen und durch die leeren Straßen zu der Kaserne gewandert, wo Tante Gretel sie erwartete, durch diese Straßen, die zwei Tage später um diese Zeit verbrennen würden. Nur ihre Rucksäcke besaßen sie noch, weil alles große Gepäck ihnen schon auf der Zugfahrt geklaut worden war.

Noch ein Spieltag auf dem Kasernenhof, Neugier in der fremden Wohnung. Da stand das Klavier, das Renate einmal hätte haben sollen und nun nicht mehr bekommen würde, denn es sollte bald verbrennen. So würde sie später Geige spielen lernen, weil eine einfache Geige billig war. Dann müde und ins fremde Bett. Tante Gretel würde die Nacht über wegen Luftschutzdienst auswärts sein.

Als der Angriff begann, musste die Mutter mit Tante Klärchen und den vier Kindern in den geräumigen Luftschutzkeller der Kaserne. Alles perfekt organisiert, sonst waren nur Soldaten da. Ein Wachsoldat regte sich auf, dass Renate und Margot ihren kleinen Dackel mit runternehmen wollten, weil er doch Atemluft verbrauchen würde. Da lief die Mutter zur Hochform auf. “Das Letzte, was den Kindern noch geblieben ist«, und Fiffi durfte doch mit in den Keller.

Für Renates Familie war es der erste Luftangriff ihres Lebens. Bombenflugzeuge kannten sie nur als die kleinen Silberfischchen, die ihr Dorf auf dem Weg zu anderen, lohnenden Zielen in großer Höhe überflogen hatten. Renate erinnerte sich nicht, Angst gehabt zu haben. Aber Tante Klärchen, die mit Heinz und Willi vor den Fliegerangriffen aus Westfalen nach Schlesien geflohen und nun mit ihnen geflüchtet war, rannte ziellos herum und schrie immer nur »Mutter!«, »Mutter!« und »Mutter!«. Nur sie wusste, was das für ein schwerer Angriff war, der da über ihnen tobte. »Die Christbäume, habt ihr die vielen schrecklichen Christbäume gesehen, die sie gesetzt haben?« Die Kinder bewegten sich in dem langen Kellerflur hin und her und schauten manchmal aus dem einzigen zugänglichen Fenster hinaus, wenn sie drankommen konnten. Schreckliche Christbäume?

Am Fenster sah man nur Himmel, keine Häuser, aber - Himmel? Der Himmel war orangerot, es gab keine dunkle Stelle mehr, wo es doch eigentlich Nacht war. Und bald hörten sie einen starken Sturm, wenn die Soldaten die Stahltür öffneten, weil sie wieder mal nach oben mussten, um einen Brandherd in dem riesigen Gebäude zu löschen. Wenn die Soldaten nicht dauernd Tante Klärchen angeschrien hätten, sie solle endlich mit dem Schreien aufhören, was sollten denn die Kinder denken, wäre es eigentlich ganz interessant gewesen. Ein roter Himmel, welch ein Staunen! »Brandbomben«, »Christbäume«. Und kein Gedanke, dass ihnen selbst etwas hätte passieren können - jedenfalls in Renates Erinnerung. »Breit aus die Flügel beide …«

Irgendwann, nach scheinbar sehr langer Zeit, war es zu Ende. Entwarnung, alle gingen wieder nach oben und standen noch eine Weile vor dem Haus herum, unter diesem brennenden Himmel. Da kamen plötzlich mehrere junge Leute in kaputter Abendgarderobe von der Straße her angerannt, aus einem Theater geflohen, aus dem Karneval, und erzählten von ihren Schreckenserlebnissen. Der Zirkus, die Tiere! Renate behielt vor allem in Erinnerung, wie fasziniert sie auf dieses riesige brennende Kuppeldach in der Ferne gestarrt hatte, dessen Sparren glühten und glühten und plötzlich in sich zusammenstürzten. Sie hatte sich ihr Leben lang gefragt, was für ein Gebäude das wohl gewesen sein könnte, und nahm nach einem späten Filmbericht an: der Zirkus Sarrasani.

Ja, und dann sollte wieder schlafen gegangen werden. Tante Gretel war noch nicht wieder da, sie war am Hauptbahnhof im Einsatz. Die zehnjährige Renate weigerte sich, ihr Kleid wieder auszuziehen, sagte mit einer unkindlich nüchternen Gewissheit und war sich dieser Nüchternheit sogar bewusst: “Die kommen wieder,« und legte sich angezogen aufs Sofa.

Als »die« kurz nach ein Uhr noch einmal »Christbäume« setzten und »Bombenteppiche« warfen, waren die Flüchtlinge schon im Keller und blickten wieder durch das rechteckige Fenster auf den brennenden Himmel. Und der Keller hielt abermals stand. »Dies Kind soll unverletzet sein.«

Die Tante, erschöpft vom Helfen, kam im Morgengrauen nach Hause, das allein schon ein Wunder, verschmutzt, versteinert, aber wenigstens kam sie. Die Flüchtenden verließen die Kaserne, in der nächsten Straße wehten aus einem noch stehenden Haus die langen, weißen Gardinen zu den Fenstern heraus. Und die Familie reihte sich auf dem Weg aus der fremden, verbrannten Stadt hinaus in den Strom der anderen Flüchtlinge ein, im beißenden Rauch an den Leichenbergen vorbei. »Schaut nicht hin, kommt schnell weiter, das ist nichts für Kinder«. In allmählich freieres Land, »Weißer Hirsch«, Hügel, lange Alleen, Apfelbaum-Chausseen.

Über der Landstraße plötzlich Tiefflieger. “Runter, in den Straßengraben, los, lasst alles fallen«. Rein in den Graben, neben einem weiten Feld, unter den kahlen kleinen Apfelbäumchen. »Fiffi!« Kein Schutz, kein Keller. »Steck dein Buntpapier weg! Das können die sehen.« Das schöne Buntpapier, letzter geretteter Besitz - warum hatte sie das auch in der Hand getragen? »Ich leg mich drauf, oh oh, wird es ja ganz dreckig …«. »Die schießen auf uns, sie haben uns gesehen.« Äste splittern, krachen. Schon sind sie weg. »Neiiin, nichts aufheben! Spielt da nicht mit! Lasst bloß die Silberstreifen dort liegen. Die sind vergiftet.« Die Aluminiumstreifen zur Störung des Funkverkehrs, abgeworfen aus den Feindflugzeugen, kein Kinderspielzeug, kein Kinderspiel, kein Spiel.

Dann Stolpen, ein kleiner Ort, eine wohlhabende Familie nimmt sie auf, ein rosa Kindernachthemd mit Stickerei für Renate, ein Radiergummi, einfach so geschenkt bekommen. »Arme Kinder, was die alles durchgemacht haben.«

Zwischendurch wieder ein Angriff und Zuflucht in einem gewaltigen oberirdischen Weinkeller in der Burg, mit drei Meter dicken Basaltmauern, so hieß es, und winzigen Fensterscharten. »Ein feste Burg«. Eine große Menge ruhiger Menschen im Riesenrund entlang der schwarzen Wände in dem kreisrunden Kuppelbau, Flüstern.

Am nächsten Tag zum Bahnhof. Kampfpause. Renate schreit und wehrt sich: Sie will nicht auf dem offenen Viehwaggon transportiert werden. Aber sie hat doch damals noch nicht gewusst, wohin die Viehwaggons voller Menschen durch ihr Heimatdorf in Schlesien rollten, durch den kleinen Bahnknotenpunkt, mit der Aufschrift »Räder rollen für den Sieg!« an der hölzernen Fußgängerbrücke, nach Osten?

Weiter aufs Land, in das nächste Dorf im Erzgebirge, zur Tante Marie, die so seltsam geworden ist, seit sie im Krieg ihren Sohn verloren hat, und immer so schrecklich schreit. Bei einem Tieffliegerangriff mitten im Dorf unter einer Holzstellage Zuflucht gesucht, prasselnde Äste, schnell vorbei, wieder mal Glück gehabt. »Dies Kind …«

Dann Wohnen auf einem fremden Bauernhof mit anderen Flüchtlingen, Sitzbänke um den großen Wohnraum herum, Essen mit den Händen aus einer großen Schüssel oder im Gasthaus »Zur Linde«, kleine Fenster, winzige Gesinderäume, ein Bach vor dem Haus und niedrige Berge dahinter, Dorfkinder, abends vor der Haustür sitzen und Volkslieder singen, mit Alma Sirup kochen in riesigen Kesseln auf dem Hof. Ein unangenehmer dicker Mann singt Operettenlieder, Frauen singen mit, nachts in der riesigen Schlafstube mit zwanzig Menschen, ältere Mädchen im Hinterkämmerchen vor Russen verstecken, Tür mit dem Schrank verbarrikadieren. Russen nachts an den Türen: »Komm, Frau.« Keine Schule. Leben.

Fiffi, von Renate an der zu langen Leine gehalten, stirbt, “wenigstens hat er es nicht mehr gespürt«, beim Einmarsch unter den Rädern eines vorbeirasenden »Besatzerautos«, das er anzugreifen versucht hat. Vergissmeinnicht auf sein Grab hinter der Scheune, viel später in der Schule eine Geschichte darüber.

Gerade eben elf die eine, die andere noch sieben Jahre alt sind sie, als der Krieg zu Ende, als »Kapitulation« ist, die Familie sich einreiht in den losen Treck, der weiter gen Westen zieht, im Wald noch einmal von Siegersoldaten ausgeplündert. »Uhri, Uhri.« »Aber meinen Ehering haben sie nicht gefunden!« Zuweilen »zur Sicherheit« mit flüchtenden »eigenen« Soldaten, mit »unseren« auch mal auf Lastwagen, ein hellblaues Kinderbuch darauf vergessen, nur halb ausgelesen, sie wird nie wissen, wie es ausgegangen ist.

In einem Dorf wer weiß wo liegen ganze Bögen frischer Briefmarken auf der Straße herum, Briefmarken, einfach so. Etwas Bedeutendes muss geschehen sein.

Tagtäglich, immer und immer wieder dieses geflüsterte Wort, nach dem man sich nicht zu fragen traut, aus heimlichen Gesprächen der fliehenden Frauen erlauscht: »Vergewaltigung«. Später, wieder mit angehört, der beruhigend gemeinte Satz: »Die sagen, sie sorgen schon dafür, dass solche Kinder nie geboren werden.« Unaufgeklärt, aber doch: Ach so! »Aber - doch Kinder? Gibt es keine Babies mehr?«

Auf der Straße die knallenden Hufe der kleinen russischen Panjepferdchen, ein sterbendes Pferd auf einer Wiese, Kolik. Tante Klärchen und ihre frechen Jungs sind irgendwann plötzlich verschwunden. Keiner mehr, der immer »jau« sagte statt »ja«. Weiter, immer weiter durch Wälder und über Bäche westwärts. Harte, dicke Kekse, »Hundekuchen«, ehemalige Notrationen aus einem eröffneten Armeedepot, klebrige süße Kondensmilch an den geschenkten beigen Wehrmachts-Wolldecken mit je einem roten und blauen breiten Streifen, aus denen später Wintermäntel werden. In einem dunklen Wald vorbei an einem feierlich dasitzenden General, der seine Uniform nicht ablegen will und nur nachts wandert.

Unterwegs Betteln, ein Mutterfluch für die reiche Bäuerin, die den Kindern nichts zu essen gegeben hat, quälendes Schuldgefühl deswegen bei Renate, aber sie wird nie etwas darüber sagen. Schlafen in kahlen Schulen, in einer Sägemühle auf Holztischen, eingeschlossen, »Nur, mein Mann darf nichts merken, Sie müssen vor dem Hellwerden weg sein«, nachts einmal notvoll vorsichtiges Pinkeln in ein winziges Abflussloch auf dem Boden, als Junge hätte man es wirklich leichter. Eines Tages auch mal gleich in zwei Dörfern hintereinander köstliches frisches Brot, das sich in der Erinnerung zu leuchtend gelbem lockerem Maisbrot verklärt - das aber kann es erst viel später gegeben haben.

Endlich wieder Unterschlupf für einige Monate in einem Dorf, zufällig, am Wege, viel Hunger, kaum Brot, aber genug Zucker, einmal geschenktes Pferdefleisch. Zwergschule und Kühehüten im Klee, im heißen staubigen Sommer, Kartoffeln und Getreidestoppeln, die Ruhr durch unreife Äpfel, aus geschnorrten Stoffresten von der Handschuhmacherin Püppchen nähen, Milch eintauschen. Freundin Gerlinde, Bauerntochter, die so eine seltsame Aussprache hat: »Uuhnmöglich« sagt sie, und Herr Schirmer wird Herr Scharmer ausgesprochen. Die Schuhe sind zu klein geworden. Erika Berger singt im Radio.

Zu Weihnachten mitgenommen in die Kirche, die strahlend glanzvoll erleuchtete Kirche, erhaben. »Macht hoch die Tür…« Die erste Friedensweihnacht. Eine sich drehende haushohe Weihnachtspyramide. Lichterbaum, Weihnachtsbaum, Christbaum, »schreckliche Christbäume«, brausendes Heulen, ein roter Fensterausschnitt.

Um das Fahrgeld aufzubringen, wird die goldene Uhr des Großvaters versetzt, die wunderbarerweise nicht verloren war. Und im Januar dann bei Göttingen über die grüne Grenze, Durchgangslager Friedland, Entlausung und mit der Bahn ganz weit weg an die holländische Grenze, Maria Veen, zurück durch Münster, überall Ruinen, nach Ostwestfalen.

Erst spät in der Nacht kommen sie in der kleinen Stadt an, wandern mit ihren Rucksäcken, wegen der Sperrstunde von einem riesigen schwarzen Soldaten begleitet, durch die spärlich beleuchteten leeren Straßen, durch diese Straßen, die ihnen in der Zukunft sehr vertraut werden sollen. Zu einer enttäuschenden Großmutter, die doch aber immer diese hübschen Puppenkleidchen zu Weihnachten geschickt hatte? »Flüchtlingskinder!« Aber dann gibt es eben auch den einjährigen Vetter, die Tante, die Katzen. Die Frauen immer auf der Suche nach einer “Handvoll Böhnchenkaffee.« Wieder Kino - zu oft? Renate, »zu ernst«, findet das leichtfertig. Ein Jahr später das erste Lebenszeichen vom Vater, »aus Kriegsgefangenschaft«, aus Polen. Ermutigung zum Schuljahresbeginn: »Was euch nicht umwirft, macht euch stärker.«

»Ja, so war das mit unseren Erlebnissen im Krieg, ihr lieben Leute, und am Anfang von all dem waren die Keller. Gute Keller, feste Keller … Aber ich konnte sie beide nicht wiederfinden. Ich habe die Basaltburg in Stolpen nach der Wende gesehen, als ich die Fluchtstrecke auf dem Weg zu einer Konferenz noch einmal nach Osten nachgefahren bin. Leider war nicht genug Zeit, um lange nach dem Keller zu suchen. Aber in Dresden - falls ich, ohne einen alten Stadtplan, an der richtigen Stelle geguckt habe, da steht auf dem ehemaligen Kasernengelände jetzt ein großes, modernes Wohnviertel.«

Beim dritten Angriff war die Kaserne durch einen Volltreffer zerstört worden. Jahrzehnte später hatte Renate in Südafrika, das sich gerade eben befreite, einen uralten, dürren Engländer mit seinem fotografierenden Muttchen getroffen, der hatte damit geprahlt, er habe Dresden bombardiert, er sei »dabei gewesen«. Davon erzählte Renate zuletzt. Sie hatte sich damals vor der Strohhütte wortlos abgewandt. Am Ende ihres Berichts atmete sie auf.

Als die Zuhörer sich wieder gefangen hatten, redeten alle durcheinander.

»Mensch, Renate, das hatten wir ja alles gar nicht gewusst.«

»Hätte ich euch auch wohl nie erzählt ohne eure Kellergespenster da.«

»Wir haben nur wenig mit Flüchtlingen zu tun gehabt. Die konnten uns nicht verstehen, und wir konnten die nicht verstehen.«

»Das ist den Evakuierten auf dem Lande so ähnlich ergangen.«

»Das glaube ich dir gern, bei uns gab es ja auch keinen Bombenkrieg. Dieser ewige Alarm bei euch muss furchtbar gewesen sein, - wenn ich das so höre.«

»Unsere Mutter hat jahrzehntelang gehofft, wir kämen noch mal ,ganz nach Hause’ zurück.«

»Die wollten ja alle wieder rübermachen in die alte Heimat.«

»Eure Kindheit war da wohl zu Ende, als ihr weg musstet?«

»Das kann man wohl sagen. Aber herrlich war es, als mich am ersten Tag bei meiner Großmutter die Tante Mariechen an die Hand nahm und wir einfach so zum Bäcker einkaufen gehen konnten. Und da gab es einfach Weißbrot zu kaufen.«

»Einfach so, einfach so, ja!«

Die Gäste brachen spät auf und standen, bevor sie langsam nach Hause gingen, noch eine Weile vor dem Haus herum, unter diesem dunklen Himmel. »Der bestirnte Himmel über uns …«

Eine längere Fassung der Geschichte ist erschienen in: “Der dunkle Keller«, Hrsg. A. Amberg, Geest-Verlag, Vechta 2002

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