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Altes Spiel mit neuen Regeln

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Über die sexuelle Revolution im Café DO 1968

Frankfurt - Bockenheimer Warte - Café DO

Ein Steinwurf von der Uni. Nur warf man auf´s DO keine Steine. Man setzte sie dort - Meilensteine. Ulrike Meinhof, Baader...
...später Cohn-Bendit.

Erst im DO gesessen, dann zur Hausbesetzung.
Doch es gab auch wirklich revolutionäre Aspekte.
Weltbilder wurden geändert - im DO. Das Verhältnis von Mann und Frau wurde neu definiert. 1968 die eigentliche Revolution.

Bis zu diesen Tagen gab es noch "das Ritual".
Wenn Du als Mann mit 16 oder 25 das Ritual nicht beherrschtest, dann fand Sexualität für dich nur in den Gesprächen mit anderen und in deinen Träumen statt.

Das Ritual:
Werben! Ausführlich! Händchenhalten - Eltern kennenlernen - Petting - Werben - Sex.
Alternative:
Machogehabe! Täglicher Wechsel! Benutzen! Wegwerfen! Keine Gefühle zeigen! Nie zweimal die gleiche Frau! Du wählst - keine widerspricht. Du bist die Macht!

1968 - Eine neue Welt.
Mui macho - Auftritt. Zielobjekt selektiert - wie üblich.
Man/n war bekannt. Wer wird heute ausgewählt...?
Plötzlich Bewegung unter den Zielobjekten. Ein Mädel löst sich vom Tresen - unaufgefordert! Fluchtinstinkt?
Du grinst - überlegen! Lass sie laufen...
Weiterselektieren...
Plötzlich steht sie vor dir. Spricht. Unaufgefordert!!!
"He, hast Du Lust zu vögeln?"

Eine ganze Rockerbande, selbst die versammelte RAF hätte dich nicht annähernd so in Bedrängnis bringen können. Die Spielregeln deines Spiels wurden geändert. Gravierend. Die Revolution hatte begonnen...

Christopher Ray

Artikelaktionen

die sexuelle Revolution

Kommentar von Anonymer Benutzer am 25.09.2007 14:17

ob sie uns das gebracht hat,was sie versprach?der Ausspruch "hast Du Lust,zu v�n",war/ist das wirklich so toll?die unbegrenzte sexuelle Freiheit,die seit 1968 und bis heute zelebriert wird?War die Revolution so befreiend?Und heute?M�wir nicht resignativ konstatieren,dass wir in einer �enden egoistischen Leistungs- und Vergn�-,sprich Spass-,Fick- und Bumsgesellschaft leben? Wo es doch anstattdessen tausende von Mutter Theresas brauchte,denn je �er denn je werden die Schwachen und Armen in unserer Gesellschaft an den Rand gedr�t,missachtet und vergessen. Unsere psychiatrischen Kliniken sind gerammelt voll mit Depressiven,weitaus mehr als vor 30 oder 40 Jahren. Irgendetwas bei der 68-er Revolution muss schiefgelaufen sein....

Die sexuelle Revolution

Kommentar von Anonymer Benutzer am 25.09.2007 14:17

Sehr vieles ist schiefgelaufen und lief sich schlußendlich tot. Die eigentliche Chance bei diesem 68er-Aufbruch hätte darin bestanden, daß der Einzelne bzw. möglichst viele Einzelne die Spinngewebe der Festgefahrenheiten, in die sie eingewoben sind, als solche erkennen und sich nach und nach daraus befreien; daß sie allmählich ihre eigene Sicht auf die Dinge freilegen und ihre Aufrechte finden. Solche „unkonventionelle“ Fragen und Verhaltensweisen wie „Hast du Lust zu vögeln?“ können durchaus ihren Reiz haben, wenn sie aus einem Aufwachprozess heraus zustandekommen und zum Distanzieren gegen Altgewohntes anregen; doch wenn das dann alles selbst zum „Establishment“ gerinnt, kann det schon sehr unerquicklich sein. Eben: statt zur individuellen Befreiung der Einzelnen führte dieser Aufbruch, dieses Aufbrechen in erster Linie dazu, daß neben dem Hauptspinngewebe, dem sogenannten „Establishment“, sich zahllose Nebenspinngewebe oder „Nebenestablishments“ bildeten, an welche der Einzelne, nach kurzem Aufmerken, willig seine noch nicht einmal richtig geborene Selbständigkeit abgab. Die einen Dogmen wurden durch andere ersetzt, die bürgerliche Alkoholseligkeit durch „alternative“ Haschischseligkeit. Was blieb, war die Vermassung; ansonsten hat sich, wie mir scheint, nichts Wesentliches geändert. Und wer instinktiv oder auch bewußt nach der eigenen Aufrechte suchte – der saß zwischen allen Stühlen, fühlte sich bedrängt und verachtet von sämtlichen Establishments; für den nach Aufrechte und Befreiung der eigenen „Optik“ suchenden was das alles noch verwirrender und unerquicklicher als die Konfrontation mit nur einem einzigen „Establishment“. Besonders deutlich wird dies alles, wenn man sich mit Leuten unterhält, welche diesen 68er-Aufbruch von der damaligen Sowjetunion aus miterlebten und sich innerlich damit verbanden; also mit russischen, armenischen, georgischen „Hippys“ oder ehemaligen „Hippys“. Diese Leute – die sich im Allgemeinen durch starke innere Disziplin und Selbständigkeit auszeichnen, wundern sich über die Entwicklung, die der Westen seit jenem Aufbruch durchgemacht hat; und im Gespräch mit ihnen wird deutlich, daß die Sowjetdiktatur – der ich keineswegs das Wort reden will – in ihrem besonderen Fall eine durchaus wohltätige Rolle gespielt hat: nämlich wurden sie durch diese Diktatur vor der Vermassung bewahrt, in welche der 68er Aufbruchimpuls einmündete; die Sowjetdiktatur filterte alles überflüssige heraus; das einzige, was übrig blieb, war der starke Impuls: altgewohntes in Frage zu stellen und eigene Wege zu suchen; und die Illusion, man habe im Westen unzählige Gesinnungsgenossen, gab da noch zusätzliche Kraft. Dafür gab es dann später im Westen die Yuppies und sonstiges. Und für die Revolution des Individuum oder die „moralische Revolution“ (wie Solschenizyn det nennt) sind wir wohl noch nicht reif, da wir ohne Krücken und Spinnennetze nicht leben können.