Überblick
Die wichtigsten Ereignisse im Jahr 1972
- Um die Ostverträge der Bundesregierung entbrennt ein heftiger innenpolitischer Streit.
- US-Präsident Nixon reist in die Volksrepublik China. Dieser "Jahrhundertgipfel" wird in aller Welt mit großem Interesse verfolgt.
- Die Winterolympiade findet in Sapporo (Japan) statt.
- Pioneer 10 startet zum Jupiter. Die Raumsonde der Amerikaner soll nach 22 Monaten den Jupiter erreichen und anschließend weiter ins All vordringen. Sie trägt auf einer Tafel eine Botschaft für außerirdische Lebewesen.
- Der VW-Käfer ist das meistgebaute Auto der Welt.
- Das Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Bundeskanzler Willy Brandt scheitert. Am Tag vor der Abstimmung kommt es zu zahlreichen Streiks, auf denen gefordert wird, Brandt müsse Kanzler bleiben. Überraschend scheitert der Misstrauensantrag. Trotzdem erscheinen Neuwahlen unausweichlich.
- Altbundespräsident Heinrich Lübke stirbt im Alter von 77 Jahren.
- Der Bundestag billigt die Ostverträge, da die CDU/CSU-Fraktion sich der Stimme enthält.
- Eine Serie von Bombenattentaten z.B. gegen den Springer-Verlag und die amerikanischen Truppen, bei denen vier Menschen sterben, werden von der Roten-Armee-Fraktion (RAF) verübt.
- Die Terroristen Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe werden nach einer Schießerei in Frankfurt verhaftet.
- Der innenpolitische Streit über die RAF wird polemischer. Ein CDU-Abgeordneter bezichtigt Heinrich Böll der geistigen Mittäterschaft.
- Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller tritt nach Meinungsverschiedenheiten über Steuerreform, Haushalts-, Wirtschafts- und Finanzpolitik zurück. Sein Nachfolger wird Helmut Schmidt.
- Die XX. Olympischen Sommerspiele in München werden von einem blutigen Terroranschlag überschattet. Arabische Terroristen der Gruppe "Schwarzer September" überfallen das Quartier der israelischen Mannschaft und töten zwei Sportler. Sie verlangen die Freilassung von arabischen Häftlingen. Nach Ablehnung dieser Forderung wird den Terroristen ein Flugzeug auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck bereitgestellt. Durch den Einsatz von Präzisionsschützen versucht die Polizei die Geiseln zu befreien. Doch der Einsatz misslingt. Im Kugelhagel sterben fünf Terroristen, ein Polizist und alle neun Geiseln. Die Olympischen Spiele werden auf IOC-Beschluss nach einer Trauerfeier fortgeführt.
- Auf dem Gipfeltreffen der EWG-Staaten wird die Einführung eines europäischen Währungsfonds beschlossen. An dem Gipfel nehmen erstmals auch die Regierungschefs von Irland, Großbritannien und Dänemark teil.
- Die DDR lockert zahlreiche Einreisebestimmungen. DDR-Bürger erhalten erstmals die Erlaubnis, in dringenden Familienangelegenheiten in die Bundesrepublik zu reisen.
- Ezra Pound stirbt im Alter von 87 Jahren in Venedig.
- Die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt wird bei den Bundestagswahlen überraschend stark bestätigt.
- Der amerikanische Präsident Richard Nixon wird wiedergewählt.
- Mit Annemarie Renger wird erstmals eine Frau Bundestagspräsidentin.
- Heinrich Böll erhält den Nobelpreis für Literatur.
- Bundesminister Egon Bahr und der DDR-Staatssekretär Michael Kohl unterzeichnen den "Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik". Der "Grundlagenvertrag" soll den "gutnachbarlichen Beziehungen" dienen. Die DDR verpflichtet sich zu zahlreichen Reiseerleichterungen, die Bundesrepublik verzichtet auf den Alleinvertretungsanspruch. In einem "Brief zur deutschen Einheit" betont die Bundesregierung, dass der Vertrag nicht im Widerspruch zum politischen Ziel der Wiedervereinigung steht.
