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Gedichte

Gedichte über den Bürgerkrieg in Jugoslawien

Bus fahren

Steig ein
steig ein
wir fahren
Bus nach Omarska
Bergwerk Omarska
weißes Haus

Steig ein
steig ein
wir fahren
Bus nach Omarska
auf den von Touristenärschen
durchgesessenen Sitzen hocken
Mercedes, Magirus, MAN, Setra, Ikarus

Steig ein
steig ein
Bus nach Omarska
da werden alle Fenster verdunkelt
im Sommer, im weißen Sommer
und die Heizung aufgedreht:
mich dürstet!
SCHWEIG
glücklich, die, die Essig trinken dürfen

Steig ein
steig ein
wir fahren
Bus nach Omarska
warum bist du hier
Keine Ahnung. Ich saß zu Hause
beim Frühstück und wurde
dann deportiert. Dann wirst
du wohl ein fundamentalistischer
Extremist sein

Sie kamen zu einer Kreuzung. Alle
hatten den Kopf schon nach rechts
gewendet in Richtung Prijedor-Stadt
Dahinter lag Ljubija, nur fünfzehn
Kilometer entfernt. Plötzlich wurde
es totenstill. Die Köpfe senkten sich.
Der Bus fuhr nach links

Bus nach Omarska
niemand ist ausgestiegen


Ein trauriges Cafe

Unter einer Arkade hocken
unrasierte Männer um einen improvisierten Tisch
zwischen Bierkästen der Belgrader Brauerei BIP
und Flaschen mit Resten von Whiskey und Slibowitz;
hier trägt jede Straße ihre Narben
von unzähligen Einschüssen
bleiche Gesichter, die das Licht macht

vielleicht ist es aufschlußreich zu erzählen
wie sich hier jemand eine Zigarette anzündet
und darüber nachdenkt
wie alles gekommen ist

doch keiner weiß eine Antwort


Am Marktplatz auf der Insel Rab
sitzt der Professor Zeljko Barcic
vor seinem Espresso
und schaut auf den Hafen

der ist traurig
so traurig wie die Lokale voller Soldaten in Rijeka
und die Schokolade mit Sammelbildern
von Kriegsmotiven
die die Ladenkette Kras verkauft

der Krieg ist da
aber er ist nicht hier, sagt man
er ist in den Köpfen, sagt man

manchmal ist er wie ein Gespenst
manchmal nicht, sagt man


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