Tagebuchnotiz 10. November 1989

Von Raymond Zoller. Gestern wurde die Berliner Mauer geöffnet. Ein beachtliches Ereignis, fürwahr. Ein historisches.

Gerüchteweise davon gehört habend, luden wir uns abends um halb 11 bei dem Besitzer eines Fernsehgerätes zu den “Tagesthemen” ein. - Da sich irgendein noch geschichtsträchtigeres Fußballereignis dazwischengeschoben hatte, ließen die Tagesthemen auf sich warten. Auf dem Bildschirm liefen Leute einem Ball nach; und immer wieder ertönte, als sattsam bekannte Fanfare unseres zeitgenössischen kulturellen Lebens, das kraftvolle, vielstimmige “Ha-a-a-a-aaaaa.” - Ich reparierte derweil das Bett unseres Gastgebers, welches kurz vor unserem Eintreffen zusammengebrochen war; und als die “Tagesthemen” dann doch noch begannen (das Fußballereignis war wohl nicht wichtig genug, um sie völlig zu verdrängen) war ich eben fertig damit. - Während unser Gastgeber die Matratze und das Bettzeug wieder auflegte, schauten wir uns die “Tagesthemen” an, in deren Verlauf wir wiederholt darauf aufmerksam gemacht wurden, dass es sich in der Tat um einen historischen Tag handele. Als die Tagesthemen dann zu Ende waren, gingen wir schlafen.

 Mauerfall
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