Als Mick gegen Ende seiner Lehrzeit einsah, dass das Handwerk - zumindest für ihn - keinen goldenen Boden hatte, meldete er sich auf dem Abendgymnasium an. In seiner Klasse waren etwa 20 junge Leute, im Durchschnitt Mitte zwanzig. Ein gutes Drittel der Klasse war wie Mick eindeutig links, ein weiteres Drittel konnte man der »bürgerlichen Mitte« zurechnen, und der Rest war unpolitisch, nur am eigenen Fortkommen interessiert.
Einige der Lehrer kannte Mick noch von seiner alten Penne, aber trotzdem war alles ganz anders als früher. Der Lateinunterricht beim alten Olsen, den er schon in der Quarta gehabt hatte, wurde zum Aha-Erlebnis, denn er schrieb nun Einsen und Zweien, während er früher immer zwischen vier und fünf gependelt hatte. Am interessantesten aber waren Deutsch und Geschichte. Der Lehrer war sehr engagiert, offensichtlich machte ihm der Unterricht mit den jungen Erwachsenen großen Spaß. Jedem Thema, das er im Unterricht anschnitt, war auch eine gesellschaftspolitische Dimension abzugewinnen, und so gab es immer Stoff für heiße Diskussionen. Die Linken in der Klasse waren - von wenigen Ausnahmen abgesehen - die eloquentesten und auch streitlustigsten. Entsprechend groß war auch der Raum, den sie im Unterricht für sich beanspruchten. Und der Lehrer schien erfreut, dass es in seinem Unterricht so lebhaft zuging. Er bezog zwar selbst keine Position, aber man konnte mit Recht vermuten, dass auch sein Herz im Grunde links schlug.