Jahrhundert

Die Standuhr

Von Max Brink

Sie hat viel erlebt, die alte Standuhr. Jetzt ist sie siebzig Jahre alt. Jedenfalls wurde sie vor siebzig Jahren im Geschäft eines Uhrmachermeisters erworben. In Gronau an der Leine. Vielleicht ist sie ja auch schon ein paar Jahre älter, weil sie nach ihrer Fertigung etwas warten musste, bis der Meister sie meinem Vater verkaufen konnte. Möglich, dass sie zum 10jährigen Hochzeitstag meiner Eltern in unser Haus kam, dann müsste das im März 1930 gewesen sein. Genau kann ich es nicht mehr wissen, denn ich war damals noch zu klein. Aber an den Laden des Uhrmachers, der sich nur wenige Schritte neben unserem Haus befand, kann ich mich noch gut erinnern. Selbst der Name des Meisters ist mir noch geläufig. Drei innenliegende Sandsteinstufen führten neben dem Schaufenster in sein Geschäft. Immer, wenn ich mit Mutter oder Vater daran vorbeiging und bei schönem Wetter die Ladentür geöffnet war, blieb ich eine Weile stehen und schaute neugierig hinein. Die vielen Uhren faszinierten mich. Ich bestaunte dieses verwirrende Ticken der Perpendikel. Und auch die dunklen Gongschläge der großen Standuhren, das helle Klingen der Wanduhren und die Kuckucksrufe aus den Schnitzwerken des Schwarzwaldes. Mitunter, wenn er Zeit hatte, nickte mir der Meister zu und lud mich mit einer Handbewegung ein:

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