Arbeiteraufstand

»Wir sind Handwerker!«

Von Heinz-Georg Barth

Am 17. Juni 1953 arbeitete mein Vater wie immer im Malergeschäft seines Vaters Willi Barth. Im Radio wurde von Unruhen und Demonstrationen berichtet. Am Nachmittag kam Dieter, ein Malerlehrling, zu uns. Ich spielte auf dem Hof. Dieter fragte nach meiner Mutter. Ich rief sie und hörte, wie er zu ihr sagte: »Frau Barth, Ihren Mann haben die Russen mitgenommen.« Meine Mutter war geschockt und starrte ins Leere, ehe sie leise fragte: »Dieter, wieso denn das?« Sie hatte die Hände vors Gesicht geschlagen, während der Lehrling erzählte: »Ja, am Schönebecker Bahnhof hat Ihr Mann von der Treppe aus zu den Menschen gesprochen. Dann kamen die Russen mit Panzern. Aus der Menge haben sie einige rausgegriffen. Den Wilhelm haben sie auch weggeholt. Als sie den hatten, hat Ihr Mann ihn befreien wollen und zum Widerstand aufgerufen. Als die Russen vordrangen, wollte er abhauen, stolperte aber über sein Rad. Dann haben die Russen ihn mitgenommen. Mehr weiß ich nicht, bin vor Schreck gleich abgehauen.«

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Bachabkehr 1934

Von Alois Eder

Bachabkehr ist sonst nur einmal im Jahr,
ein Fressen für Anrainer, zappelnde Fische
auf plötzlicher Ebbe im Bett des Mühlbachs,
man braucht sie nur zu greifen.
Eine Woche steht still die Kette der Mühlen,
in hohen Stiefeln waten die Fischer.
Bachabkehr, die Kette der Mühlen steht still,
man greift sich die Müllner, die zusammengerottet
versucht haben, eine Brücke zu halten,
als der Bürgerkrieg schon verloren war.
Geflohen dann, die Dämme entlang,
sich der Waffen entledigt.
Die fallenden Wasser bergen dann nicht mehr
Helm und Gewehr, zu Stößen getrieben
vor Rechen und Wehren, in Schrebergärten
spürt man versprengte Fische auf,
versteckt und mit schreckgeweiteten Augen,
man greift sie: kaum dass sie um sich schlagen.
Wohlfahrter ist tot, der Lehrer, man jagt sein Gefolge,
das er Recht Recht und Unrecht Unrecht
zu nennen gelehrt hat im Werkswohnungskohldunst,
gestorben am Misserfolg der Revolte,
die blecherne Lampe zittert noch nach,
Widerhall des Schusses aus eigener Waffe.
Bachabkehr, trocken liegen die Bäche,
kein Vorstadtbub trauert dem Lehrer nach,
sie lauern auf übersehene Waffen und Fische.
Auf den Gusseisentrümmern der Abfallhalden
den Fluss entlang klingts ihm wie rostige Glocken nach,
wenn wie Treiber die Treiber dran schlagen.
Und dann ebbt die Jagd ab,
vereinsamt die Wehre und Rechen.
Bachabkehr, da werden die Fische handzahm
und schnappen nach Luft, trocken liegen die Bäche,
und wäre nicht Winter, da all das geschieht,
empfänden zum Mindesten die Badenden Freude
über den ungewohnten Schwall Wasser im Flussbett.

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Die seltsame Parade

Von Heidrun Schaller

Ein fremdartiges Brummen, Dröhnen lag in der Luft, die Fensterscheiben zitterten. Sie stürzte zum Fenster und sah aus ihrer luftigen Höhe aus dem dritten Stock in der Warschauer Str. 165 in Ost-Berlin, Panzer durch die Straße rollen. Voller Freude entdeckte sie kyrillische Buchstaben. Das sind russische Panzer, dachte sie, da fahren Russische Soldaten, mit denen kann ich endlich mal wieder Russisch sprechen. Vielleicht ist ja auch einer aus Leningrad dabei.

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Soziale Plastik. Die Kunst der Allmende

Zum 30. Todestag von Joseph Beuys.

Die Reise nach Jerusalem

Roman

Ich bin doch auch ein Hitlerjude

Witze im 3. Reich