Studentenrevolte

1968, die 70er und der Kampf um die Deutungshoheit von Geschichte

Von Jan Ulrich Hasecke

Die Diskussion um die Vergangenheit von Joschka Fischer zeigt, mit welcher Verbissenheit der Kampf um die Deutungshoheit von Geschichte zeitweise geführt wird. Immer wieder stellen konservative Politiker und Medien die Frage, ob jemand Außenminister sein darf, der früher einmal Polizisten verprügelt oder an einer PLO-Konferenz teilgenommen hat. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige politische Vorteile für die Opposition, die den Rücktritt des Ministers fordert, und hofft, durch Angriffe auf Fischer von ihrer jahrzehntelangen illegalen Spendenpraxis ablenken zu können. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, ob bürgerlicher Ungehorsam überhaupt ein legitimes Mittel in der Politik ist oder nicht. Mit Fischer sitzen alle bürgerlichen Protestbewegungen der letzten 30 Jahre auf der Anklagebank: die 68er und ihre Außerparlamentarische Opposition, die Anti-Atomkraftbewegung, die Frauenbewegung, die Friedensbewegung und die verschiedenen Umweltbewegungen.

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68er Aroma

Von Adolphe Lechtenberg

Einige Beimengungen aus der Zubereitungsmasse: 11. April 1968 Attentat auf Rudi Dutschke - 29. Mai 1968 Billigung der Notstandsgesetze im Bundestag - Krieg in Vietnam - 20/21. August 1968 Überfall der Warschauer-Pakt-Truppen auf die Tschechoslowakei - Herbst 1968 schwere Hungersnot in Biafra - 21.-27. Dezember 1968 zehn Mondumkreisungen der USA-Raumfähre

Wenigstens in der Quizsendung von Hans-Joachim Kulenkampff gab es jedesmal einen, der gewinnen würde. Und sonst? Im Wohnzimmer. Im Fernsehen. In den Zeitungen. Panzer rollten. Maschinengewehre wurden geputzt. Gummiknüppel wüteten. Benzin wurde in Flaschen gefüllt. Herr Jesus sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast. In der Sprache gab es keine Übereinkünfte mehr, vertraute Worte verloren den familiären Zusammenhang und wurden zu Belastungsfaktoren für das Wohlbefinden. Ränder von Formen weichten auf. Neugierige Arglosigkeit schaltete Frühwarnsysteme ab.

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Altes Spiel mit neuen Regeln

Von Christopher Ray

Frankfurt - Bockenheimer Warte - Café DO

Ein Steinwurf von der Uni. Nur warf man auf´s DO keine Steine. Man setzte sie dort - Meilensteine. Ulrike Meinhof, Baader…

…später Cohn-Bendit.

Erst im DO gesessen, dann zur Hausbesetzung.

Doch es gab auch wirklich revolutionäre Aspekte.

Weltbilder wurden geändert - im DO. Das Verhältnis von Mann und Frau wurde neu definiert. 1968 die eigentliche Revolution.

Bis zu diesen Tagen gab es noch “das Ritual”.

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Die Geschäftsreise

Von An O'Nymes

Der Sommer, in dem alles möglich war.

Wissenschafter der unterschiedlichsten Richtungen versuchen seit einigen Jahren, jenen heißen Sommer mit dem Beginn der Informationsflut und der damit verbundenen sexuellen Aufklärung, die damals ihren Anfang nahm, zu erklären. Doch wer jenen Sommer bewußt erlebt hat, weiß, daß an dieser Erklärung mehr als nur etwas faul, und daß dies Gelaber einfach nicht wahr ist.

Es war, als täte sich etwas Unerklärliches im Innern der Erde und oben, in den Lüften. Es kam von oben und unten, umwehte uns sanft, wurde stärker und riß uns mit sich. Es kann nicht nur an der Trockenheit, der Dürre und Hitze jenes Sommers gelegen haben. Es lag in der Luft, war überall, wo ich gerade war, gerade ankam: Zürich, Paris, Berlin, New York, Los Angeles, London - Aufbruch- und Abstreifstimmung, die Pilzköpfe, Jazz, Samba, der Tanz der Straßen endlich auf den Straßen, aufgeregte Politiker und aufmüpfige Professoren im gleichen Boot, am Ufer die geschockten Lehrer und die Erwachsenen mit ihren verständnislosen Blicken, und überall: schier unerschöpfliche Energien.

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Soziale Plastik. Die Kunst der Allmende

Zum 30. Todestag von Joseph Beuys.

Die Reise nach Jerusalem

Roman

Ich bin doch auch ein Hitlerjude

Witze im 3. Reich