Haushaltsgründung 1955
Im Nachlass meines verstorbenen Vaters fand ich einen alten
Stenogrammblock. Offenbar benutzten meine späteren Eltern ihn als Mittel
zur Kommunikation:
Am 1. Februar 1955 durften sie ihre Wohnung beziehen, für diesen Neubau
hatte mein Vater damals DM 1.500,00 so genannten “verlorenen
Baukostenzuschuss” zu zahlen. Meine Eltern heirateten am 19. Februar
1955, und die nachfolgenden Briefe sind innerhalb dieser Zeit (vom 1.
bis 18. Februar 1955) geschrieben worden. Da meine Mutter an sechs Tagen
pro Woche im Büro arbeitete und mein Vater anscheinend zu der Zeit
Nachtschicht hatte, auch an den Wochenenden, war dieses die einzige
Kommunikation zwischen ihnen. Ein Telefon hatte nur meine Mutter an
ihrem Arbeitsplatz.
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…Zechen - Fördertürme - Staub - Bergleute
»Ach Kind, weiße, dein Opa, dat war noch son richtiger Malocher, damals
in den Fünfziger Jahren. Da waren noch 48 Wochenstunden Pflicht - auch
samstags und sonntags mussten die Kumpels innen Pütt, die Kohle
befördern. Die brachte Geld! Die Fördertürme durften nicht stille stehn.
Dat war haate Knochenarbeit, wenn die Kumpels unter Tage in der siebten
Sohle die Kohle locker machten und auf die Loren schippten. Und schwatt
waren die, schwatt, wenn die wieder oben waren und in den Kauen unter
die Duschen gingen. Die schwarzen Augenränder kriegten die mit Wasser
und Seife nicht weg. Aber dat alles wurde gut bezahlt! Viele Männer
arbeiteten unter der Erde im Pütt. Die schwarzen Diamanten - so sachte
man damals - braucht heute keiner mehr. Kameradschaft war bei denen kein
Fremdwort. Kuck mal hier, ich hab noch die Grubenlampe von deinem Opa im
Büfett! Dat war ihr einziges Licht unter der Erde. Ihre Lampen trugen
die Bergleute um ihren Hals, wenn sie durch die von ihnen in den Stein
geschlagenen unterirdischen Gänge robbten. Diese Lampe halte ich in
Ehren!
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