Adenauerära

Du Oma, wer war Hitler?

Von Marianne Bunyan

Gut bürgerliches Neukölln, Hobrechtstraße, Seitenflügel, 2 Treppen. Dunkelbraun lackierte Holztreppen und gedrechselte, stets auf Hochglanz polierte Geländer. Die Frau des Hausmeisters verbrachte Stunden damit, jede einzelne Rundung blitzblank zu polieren. Alles musste zwanghaft glänzend und reinlich sein, geradeso als müsste fortwährend das Image von Fleiß und Sauberkeit zur Schau gestellt werden. Deutsche Tugenden, die einzigen, die uns geblieben waren?

Wir Kinder mussten uns stets leise durch den Hausflur schleichen, wenn uns der Portier nicht erwischen sollte. Er flößte uns Angst ein, regelrecht panische Angst. Er kannte kein Pardon und jeden, den er von uns Kindern erwischte, packte er am Kragen, kniff ihn, haute ihm eine Ohrfeige oder drosch gar mit einem Stock auf ihn ein. Bestenfalls hielt er eine Standpauke mit der Androhung, er würde uns noch kriegen und uns das Jackstück so vollhauen, dass wir es nie vergessen würden. Im Hausflur herrschte ein schnelles Laufen, ein lauteres Kichern und das, was man als Herumlungern bezeichnete, was bei den Alten die Wut auf Kinder und die verkommene Generation und bei uns sehr langsam und vorsichtig aufkeimenden Widerstand hervorrief. »Olle doofe Potsche« grölten wir frech von der Ferne, wenn wir die Frau des Hausmeisters sahen und uns in Sicherheit wähnten, doch irgendwann einmal mussten wir irgendwie an der Observationstür vorbei kommen, um nach Hause zu gelangen. Und somit wurde jeder Tag ein Kampf mit neuen Überraschungen, die es sonst kaum gab.

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