Bombenkrieg
Wilder Mann
(Der Geschichte erster Teil)
Im späten Mittelalter, genauer gesagt im Jahre 1418, wurde in der Stadt
Hildesheim am alten Markte das erste Fachwerkhaus errichtet. Ein Haus
des Ackerbürgers war es und die Menschen, die in ihm leben durften,
waren selbstbewusst und voller Freude. Sie waren Handwerker und mit
Recht stolz auf das Geschaffene.
Wenig mehr als hundert Jahre später stand ein junger Zimmergeselle vor
eben diesem wunderschönen Haus und konnte sich nicht sattsehen.
Inzwischen waren schon viele weitere Fachwerkhäuser gebaut worden.
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In jener Nacht im März 1942, als unsere Mutter mich wach rüttelt,
fliegen bereits britische Bomberverbände das Ruhrgebiet an. »Los Lore,
aufstehen. Jeden Moment kann es Fliegeralarm geben. Im Radio ist bereits
Feindeinflug gemeldet worden. Steh auf!« »Ach, lass mich doch schlafen.
Vielleicht gibt es ja gar keinen Alarm!« Ich dreh mich wieder auf die
Seite. Mama wird ärgerlich: »Los, raus aus den Federn!« Sie zieht das
Oberbett weg und ich rolle mich verdrießlich im Trainingsanzug aus dem
Bett. Wir ziehen seit Monaten keine Nachthemden mehr an. Meine beiden
großen Brüder, die schon in die Schule gehen, hantieren in der
Wohnküche. Sie ärgern mich oft und ziehen an meinen kurzen Zöpfen, nur
weil ich ein Mädchen und die Kleinste bin. Der Frisör hat den Jungen die
Haare zu kurz geschnitten. Ihre Ohren sind jetzt viel zu groß. Die
Fenster in der Wohnung sind verdunkelt.
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Dunkel war es gewesen, als die Mutter sie geweckt hatte. Sie hatte über
das Hemdchen das Leibchen und darüber zwei Pullover und auch noch die
Strickjacke anziehen müssen, und zwei Röcke. Eng war es im Mantel, gar
nicht richtig warm, als sie in der kalten Januarluft zum Bahnhof
trabten, die Mutter mit dem Koffer, der großen Tasche und dem Rucksack
und sie mit den Schwestern an der Hand, Anna und Stänzel. Die sind noch
klein, sagte die Mutter, du bist schon groß.
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