Am 14. Mai 1940 wurde der Stadtkern Rotterdams innerhalb von zehn
Minuten dem Erdboden gleichgemacht. Der Angriff der deutschen Luftwaffe
war eigentlich nur ein Versehen. Denn aufgrund eines
Kommunikationsfehlers war die Bereitschaft der Niederlande zu
Kapitulationsverhandlungen nicht rechtzeitig weitergeleitet worden. So
starben 900 Menschen aus Versehen, 80 000 wurden aus Versehen obdachlos,
eine der schönsten historischen Hafenstädte wurde unwiederbringlich
zerstört. An diesem Tag wurde ich geboren. Mein Leben begann in einem
Krieg, dessen Folgen uns noch heute, sechzig Jahre danach, begleiten.
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Aus dem Nichts schossen die metallenen Bestien urplötzlich über dem
nahen Horizont empor, um sich sogleich auf die beiden erspähten Opfer zu
stürzen. Wie Hornissen rasten sie in geringer Höhe über die
unbestellten, kahlen Felder. Das Kind stand gebannt von dem Schauspiel
und starrte mit großen, staunenden Augen in das aufblitzende
Mündungsfeuer der beiden fliegenden Maschinengewehre. Bauer war noch zu
unerfahren, die tödliche Gefahr zu erkennen, er versuchte instinktiv den
Lärm abzuwehren und hob die kleinen Hände an die Ohren. Doch seine
Mutter hatte ihn bereits am Arm gepackt und zog ihn von der Stelle, an
der er gerade noch wie angewurzelt gestanden hatte, fort. Bauer
stolperte und fiel. Aber seine Mutter ließ nicht los, sie zwang ihn, zog
ihn, schleifte ihn über die unwegsamen Schollen. Rennend, stolpernd,
schreiend erreichten sie den rettenden Wald, bevor die beiden heulenden
Tiefflieger zurückkehrten.
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