Im August 1992 bereiste ich mit meinen Eltern die Südstaaten der USA. Unsere Reise führte uns unter anderem auch nach Memphis. Im Radisson Hotel abgestiegen, vernahmen wir schon bald von einem herannahenden Hurricane, der gerade über Florida zog und sich nun bedrohlich New Orleans näherte. Dies wäre unsere nächste Station auf der Reise gewesen. So kam es, dass wir uns zwischen Graceland, Raddampfer-Fahrt auf dem Mississippi und anderen Aktivitäten regelmäßig im Hotelzimmer einfanden, um den Weather Channel zu konsultieren. Und tatsächlich: Hurricane Andrew hatte New Orleans in sein bedrohliches Auge gefasst und drohte damit, unsere Reisepläne ziemlich zu durchkreuzen. Unzählige Faxe und Telefonate mit unserem Reisebüro in der Schweiz führten letztendlich dazu, dass wir unseren Aufenthalt in Memphis unfreiwillig verlängerten und die Hotelreservation in New Orleans annullierten. Aus geplanten 2 wurden 5 Tage Memphis. Doch soviel bietet dieses beschauliche Städtchen eigentlich gar nicht. Die Besichtigungen nahmen ab, der Fernsehkonsum zu. Der Weather Channel hielt uns auf dem Laufenden und bestätigte, dass unsere Entscheidung richtig war.
Steffi sitzt am Küchentisch, schnippelt Tomaten, Gurken, Zwiebeln für die Salate. Wischt sich eine Träne von der Wange. Lauscht ihrem Lieblingsschlager im Radio: Young love - first love. »Morgen bin ich volljährig«, denkt sie, »endlich 21. Dann kann mir keiner mehr was sagen, dann kann ich nach Hause kommen, wann ich will. Und was wird sich ändern? Mutti wird mir weiterhin jede Minute vorwerfen, die ich zu spät komme, was Vati denkt, weiß ich nicht. Nur schade, dass morgen Totensonntag ist. Da bringen sie nur ernste Musik im RIAS. Aber macht nichts, ich habe ja meine Platten. Elvis Presley, Bill Haley und so. Rock around the clock. Und tanzen werden wir, egal, was die Nachbarn denken.«