BRD
Seit Anfang September war ich (damals 16) nun hier, und bisher wars auch
ganz gut so, hier; Die kurz nach Beginn des kalten Krieges einsetzendn
Bemühungen um die sog. deutsch-französische Freundschaft waren auch an
meiner Schule nicht spurlos vorrübergegangen, und ich hatte - nachdem
meine Eltern sich jahrelang erfolglos bemüht hatten - mich endlich nach
einem 14-tägigen Besuch von Franzosen an unserer Schule bereit erklärt,
ein dreimonatiges Gastspiel an der “Ècole Internat Rudolph Steiner
Laboissiérre-en-Théle” zu wagen. Diese liegt ca. 40 Km von Paris
entfernt, mitten in einem winzigen Dorf in der französichen Prärie.
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Vorher und nachher ist es immer dunkel. Wegen der Nacht. Damit aber die
dort wissen, wo oben und unten ist, haben sie sich die ganze Grenze hell
erleuchtet. Für das Oben haben sie kleine Türme gebaut, in denen sie
sitzen und herunter schauen können. Für das Unten haben sie sich einen
Liegespiegel mit Rollen und einer langen Stange dran gebastelt. Da
müssen sie sich nicht auf den kalten und dreckigen Boden legen und
können trotzdem das Auto von unten sehen.
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Eine Polemik
Wie vermisse ich diesen Satz, vermisse dieses Signal des Stammtisches,
der großformatigen Zeitung, diese weiße Fahne der Dummheit, die immer
dann aufgezogen wurde, wenn die Argumente nicht mehr ausreichten.
Nicht, daß ich diesem Rat gefolgt wäre. Der Unterschied zwischen “Real
existierendem Sozialismus” und “Kapitalismus mit menschlichem Antlitz”
war mir sehr wohl bekannt. “Im Kapitalismus beutet der Einzelne die
Massen aus. Im Sozialismus ist es genau umgekehrt.” Treffender als in
diesem alte DDR-Witz kann niemand beschreiben, was östlich der Elbe
lief.
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Der Arzt kam diesmal ohne Mundschutz. “Ansteckend sind Sie nicht”, sagte
er.
Aber davon fühlte ich mich auch nicht besser. Ich wußte, daß ich schwer
krank war, wahrscheinlich schwerer, als ich überhaupt wissen wollte.
Abgesehen von meiner Schwäche und den diffusen körperlichen Beschwerden
gingen merkwürdige Dinge in mir vor. Vertraute Worte fielen mir entweder
nicht mehr ein, oder ich konnte keine Verbindung zu ihrer Bedeutung
herstellen. Die eigene Telefonnummer war mir entfallen. Wollte ich das
Fieberthermometer ablesen, mußte ich lange grübeln. 83? Oder 38? Und was
bedeutete das?
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