Schule

Das Glück und das Heil

Von Max Brink

Kann man sich eigentlich so ohne weiteres an seine Kindheit, an die Jugend erinnern? An all jenes, was im einzelnen damit zusammenhing und einherging? Wahrscheinlich doch nur zu einem Teil. Und wohl  hauptsächlich an die einschneidenden Begebenheiten, also an solche, die aus verschiedenen Gründen im Gedächtnis haften blieben.

Dabei sind Erinnerungen so schön, weil sie eine Sehnsucht zum Inhalt haben. Weil das “Damals” alles so leicht und unbeschwert war. Und weil wir als Kinder es so und nicht anders gelebt haben.

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Der Zug der Schulzeit

Von Max Brink

An jedem Morgen war es so. In jeder Woche und jedem Monat, mit Ausnahme der Ferien. Es war nur ein kurzer Weg vom Haus seiner Eltern zum Bahnhof. In dem kleinen beschaulichen Ort, in dem es kein Gymnasium gab, war diese tägliche Bahnfahrt für ihn und seine Mitschüler erforderlich.

Es war eine Nebenstrecke, auf der das alte Dampfross sich mit Pfeifen und Rumpeln durch die grüne Landschaft quälte. Wenn die vorsintflutlichen Waggons an der Station hielten, traf der Junge weitere Freunde, die bereits an der vorigen Haltestelle eingestiegen waren. In den alten Wagen nahmen sie gewöhnlich auf den Holzbänken Platz, oder sie standen bei besserem Wetter draußen auf der offenen Plattform. Fünf Stationen waren es bis zur Stadt. Und dort ging es auf Schusters Rappen weiter bis zur Schule. Manchmal verspätete sich der Zug ein wenig. Dies wurde von allen gern genutzt, um die erste Unterrichtsstunde zu versäumen. Wenn man entsprechend bummelte, so blieb die Ausrede, dass sich der Zug verspätet habe, doch eine bestimmte Art von Wahrheit. Zwar kam man am Mittag etwas später als die Stadtkinder wieder in die Nähe von Mutters Kochtopf, doch wie das so ist: Alles im Leben gleicht sich aus.

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Die Verbesserung der Situation von ostdeutschen Frauen unter Trockenhauben in den 80er Jahren

Von Gilbert Dietrich

Um 1984 lernten wir in den vierten Klassen der zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschulen der DDR für den Frieden. Bewaffnet waren wir fast immer. Unsere Waffen waren vor allem Stöcke, Handfeuerwaffen oder Lockenwickler mit Luftballons hinten dran. Aus den Lockenwicklern konnte man mit Erbsen schießen. Für den Getroffenen war das in aller Regel schmerzhaft aber ungefährlich. Nur wenn es mal ins Auge ging, war es schmerzhaft und gefährlich. Die Munition ging uns nie aus. Denn wenn es in der DDR etwas unbegrenzt gab, dann hartgeschrumpelte, blasse Erbsen. Die Vorstellung der Essbarkeit dieser Dinger wäre so bizarr gewesen, dass wir sie nicht entwickeln konnten. Hätten wir von der Essbarkeit unserer Munition gewusst, so hätten wir sie nur schlechten Gewissens als solche eingesetzt, weil wir für die Nöte und Kriege in Afrika durch Pioniernachmittage ausreichend sensibilisiert worden waren. Lehrer, Abschnittsbevollmächtigter, Eltern, stellvertretender Abschnittsbevollmächtigter und alle anderen Erziehungsberechtigten, im Grunde also alle Erwachsenen, sahen es nicht nur ungern, dass wir uns, trotz Hunger und Krieg in der Welt, mit Nahrungsmitteln abknallten, sie versuchten es auch zu verhindern.

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Schreiben lernen mit Alu-Stricknadeln

Von Wilma Klevinghaus

Im Herbst 1945 begann ich meine Tätigkeit als Volksschullehrerin in einem pfälzischen Landkreis. Ich hatte ein paar Tage vor dem Eintreffen der Amerikaner gerade noch meine Ausbildung in der damaligen Lehrerbildungsanstalt mit dem 1. Examen abgelegt. Bis Ende 1944 hatte man sich zumindest in den ländlichen Gebieten bemüht, den Schulbetrieb wenigstens in den Volksschulen aufrecht zu erhalten, während die Oberstufen der Oberschulen bereits vollzählig zum »Schanzeinsatz«, also zum Ausheben von Schützengräben, eingezogen worden waren. Mit dem Eintreffen der Amerikaner, denen bald danach die Franzosen als Besatzungsmacht folgten, wurden im Frühjahr 1945 sämtliche Schulen geschlossen, die Abschlussklassen entlassen. Während dieser Zeit führte die Militärregierung sehr strenge Säuberungsmaßnahmen unter den Lehrern durch. Einige Wochen nach Kriegsende hatte ich mich in einer abenteuerlichen Fahrradtour (verbotenerweise; denn man durfte zunächst seinen Wohnort nur mit besonderer Genehmigung, die schwer zu erhalten war, verlassen) in mein heimatliches Dorf abgesetzt und wartete dort der kommenden Entwicklung. In unserm Landkreis wurden damals mehr als Dreiviertel aller Volksschullehrer vorläufig entlassen.

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Schulzeit im Krieg

Von Karl-Heinz Ganser

»Morgen gibt es die letzten Zeugnisse von mir!« verkündete Lehrer Thoma uns, der vierten Schulklasse, einige Tage vor Ostern. Nun war das Ende des Schuljahres 1944 gekommen und jetzt musste entschieden werden, wer zum Gymnasium ging oder nicht.

Ich hatte schon einige Monate vorher heimlich bei meiner Mutter mal nachgefragt, ob ich, wenn das Zeugnis gut wäre, auf die höhere Schule gehen dürfte. Mit meinem Vater darüber zu sprechen, traute ich mich nicht. Ich sollte als Ältester von vier Kindern einmal seinen Hof übernehmen. Nach seiner Meinung brauchte ich dafür aber keine höhere Schule.

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Wie ich diese langen Strümpfe gehasst habe!

Von Christian Erich Rindt

Vor mir liegt das Foto. Format 6x9, schwarz-weiß, mit weißem, gezacktem Rand: ein sechsjähriger Junge im Museumspark in Braunschweig, schon ziemlich aufgeschossen für sein Alter, eine glänzende Schultüte im rechten Arm, das Butterbrot-Täschchen vor der Hüfte hängend. Sein Kopf ist leicht zur Seite geneigt, das aschblonde Haar sauber gescheitelt. Schüchtern und ein wenig verschämt grinst er in die Kamera. Er trägt einen quergestreiften Pullover, eine gestrickte, kurze Hose mit Trägern. Und lange Wollstrümpfe. Das linke Knie hat er vorgeschoben, seine Gestalt wirkt merkwürdig eingeknickt.

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Soziale Plastik. Die Kunst der Allmende

Zum 30. Todestag von Joseph Beuys.

Die Reise nach Jerusalem

Roman

Ich bin doch auch ein Hitlerjude

Witze im 3. Reich