An jedem Morgen war es so. In jeder Woche und jedem Monat, mit Ausnahme
der Ferien. Es war nur ein kurzer Weg vom Haus seiner Eltern zum
Bahnhof. In dem kleinen beschaulichen Ort, in dem es kein Gymnasium gab,
war diese tägliche Bahnfahrt für ihn und seine Mitschüler erforderlich.
Es war eine Nebenstrecke, auf der das alte Dampfross sich mit Pfeifen
und Rumpeln durch die grüne Landschaft quälte. Wenn die
vorsintflutlichen Waggons an der Station hielten, traf der Junge weitere
Freunde, die bereits an der vorigen Haltestelle eingestiegen waren. In
den alten Wagen nahmen sie gewöhnlich auf den Holzbänken Platz, oder sie
standen bei besserem Wetter draußen auf der offenen Plattform. Fünf
Stationen waren es bis zur Stadt. Und dort ging es auf Schusters Rappen
weiter bis zur Schule. Manchmal verspätete sich der Zug ein wenig. Dies
wurde von allen gern genutzt, um die erste Unterrichtsstunde zu
versäumen. Wenn man entsprechend bummelte, so blieb die Ausrede, dass
sich der Zug verspätet habe, doch eine bestimmte Art von Wahrheit. Zwar
kam man am Mittag etwas später als die Stadtkinder wieder in die Nähe
von Mutters Kochtopf, doch wie das so ist: Alles im Leben gleicht sich
aus.