1968, die 70er und der Kampf um die Deutungshoheit von Geschichte
Die Diskussion um die Vergangenheit von Joschka Fischer zeigt, mit welcher Verbissenheit der Kampf um die Deutungshoheit von Geschichte zeitweise geführt wird. Immer wieder stellen konservative Politiker und Medien die Frage, ob jemand Außenminister sein darf, der früher einmal Polizisten verprügelt oder an einer PLO-Konferenz teilgenommen hat. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige politische Vorteile für die Opposition, die den Rücktritt des Ministers fordert, und hofft, durch Angriffe auf Fischer von ihrer jahrzehntelangen illegalen Spendenpraxis ablenken zu können. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, ob bürgerlicher Ungehorsam überhaupt ein legitimes Mittel in der Politik ist oder nicht. Mit Fischer sitzen alle bürgerlichen Protestbewegungen der letzten 30 Jahre auf der Anklagebank: die 68er und ihre Außerparlamentarische Opposition, die Anti-Atomkraftbewegung, die Frauenbewegung, die Friedensbewegung und die verschiedenen Umweltbewegungen.